Das Farbsehen der Tiere
Das sprichwörtlich scharfe Auge des Adlers und der fast blinde Maulwurf zeigen, wie unterschiedlich das Sehvermögen bei den Wirbeltieren ausgebildet ist. Aber auch das Farbsehen ist bei den Wirbeltieren nicht gleich entwickelt.
Welche Farben Tiere wahrnehmen, kann vom menschlichen Farbsehen abweichen – die Evolution hat das Farbsehen unabhängig voneinander mehrfach entwickelt. Die Unterschiede liegen in den Rezeptoren und auf welche Wellenlängen sie reagieren – auf jeden Fall aber können auch die meisten Tiere Farben voneinander unterscheiden.
Unter den Säugetiere besitzen nur Primaten drei Farbrezeptoren – Menschen und ein Teil der Affen. Hunde und Katzen hingegen sind Dichromaten mit zwei Arten von Zapfen.
Auch wenn die meisten tierischen Wahrnehmenungsapparate in einem Bereich agieren, der auch für den Menschen sichtbar ist, gibt es viele Tiere, die im ultravioletten und im infraroten Bereich Farben sehen, die wir nicht wahrnehmen.
Bei Wellenlängen unter 500 nm (in der Nähe des UV-Bereichs) wird das elektromagnetische Strahlunspotential stark genug, um (innerhalb von rund 10 Jahren) die Fotopigmente zu zerstören und die Linse des Auges gelb zu färben. Viele Vögel und Insekten haben UV-empfindliche Rezeptoren – aber diese Tiere haben auch nur eine relativ kurze Lebensspanne und leben nicht lang genug, so dass die zerstörerische Energie der UV-Wellen nicht signifikant wird.
Große Säugetiere hingegen leben lange und sammeln mehr UV-Strahlung, so dass ihre Augen die schädlichen Strahlungen ausfiltern müssen. Dass der Mensch (und andere Säugetiere) nicht im UV-Bereich sehen, ist also kein Manko des menschlichen Sehens, sondern eine reine Schutzfunktion.
Insekten hingegen haben eine extrem kurze Lebensspanne und können diesen Bereich der Wellenlängen nutzen.
So hat die Evolution die Bienen nicht an die Farbenpracht der Pflanzenwelt angepasst, sondern umgekehrt die Pflanzen an die Fähigkeit der Insekten. Weil Insekten ein Farbsehen entwickelt haben, entwickelten sich die hochgesättigten Farben der Blüten, um Insekten anzulocken.
Die Rezeptorzellen in der Netzhaut von Hunden zeigt schon, dass Hunde Farben sehen. Aber während wir »VIBGYOR« sehen: Violet, Indigo, Blau, Grün, Gelb, Orange und Rot sehen, sehen Hunde “VIBYYYR” (Violet, Indigo, Blau, Gelb, Gelb, Gelb und Rot). Grün, Gelb und Orange sehen für Hunde immer gleich aus, aber unterscheiden sich von Rot und den verschiedenen Blau- und Purpurtönen. Blau-Grün erscheint Hunden Weiß.
- Dana K. Vaughan, Ph.D., Dept. of Biology, University of Wisconsin Oshkosh
Hazel Rossotti: Colour: Why the World Isn't Grey. Princeton University Press, 1992, ISBN 0-6910-2386-7
Quallen haben zwar kein Gehirn, aber es gibt dennoch Arten, die Augen haben (Würfelquallen). Die Augen der sehenden Medusen können sehr hoch entwickelt sein – in Versuchen konnten Wissenschaftler feststellen, dass sie auch Farben unterscheiden können.
"Advanced optics in a jellyfish eye" von Dan-E. Nilsson und Kollegen (Universität Lund ), Mai 2005 in "Nature" Band 435, S. 201-205, Doi:10.1038/nature03484.
Einige Vögel und auch Bienen haben vier verschiedene Rezeptoren – sie sind also Tetrachromaten. Es gibt Schmetterlinge mit fünf Farbrezeptoren (Pantachromaten) und der Buntbarsch (so habe ich gelesen) ist nicht nur bunt, sondern hat gleich 12 Farbrezeptoren.

