Die Farbe des Lichts: Umgebungslicht und Farbtemperatur

Der Farbeindruck, der durch Reflexion oder Transmission an einem Objekt entsteht, hängt auch von der Beleuchtung des Objekts ab. Daher wurden vom CIE bestimmte Lichtarten als Standards definiert.

Der zuvor beschriebene Versuchsaufbau der CIE mit der daraus entwickelten Ableitung reichen allerdings noch nicht aus, um Farben vollständig und eindeutig durch drei Zahlen zu beschreiben, denn nicht nur die spektralen Eigenschaften der Lichtquelle beeinflusst die Anmutung einer Farbe, sondern auch äußere Einflüsse – dazu gehören das Umgebungslicht, die Oberfläche des Mediums und unser Gedächtnis (selbst der Abstand des Beobachters von der Farbprobe ist ein entscheidender Faktor).

Mit nachlassender Helligkeit läßt die Helligkeit der roten Farben schneller nach als die Helligkeit der blauen Farben – der sogennannte Purkinje-Effekt.

Betrachten wir ein weißes Blatt Papier unter einer 60 Watt-Glühbirne, erscheint das Blatt unter der Glühbirne deutlich gelb. Geben wir unserem Gedächtnis nur ein paar Sekunden Zeit, sagen wir sofort, dass wir dasselbe Weiß sehen wie bei hellem Tageslicht. Unser Auge kalibriert sich unabläßlich auf veränderte Lichtbedingungen. Könnten wir das Blatt hingegen gleichzeitig im Tageslicht und unter Kunstlicht sehen, wäre der Farbunterschied prägnant.

Kurz: Spektrale Verteilungen, in denen lange, rötliche Wellenlängen vorherrschen, weisen eine niedrige Farbtemperatur auf, während Verteilungen, in denen kurze, bläuliche Wellenlängen überwiegen, bilden hohe Farbtemperaturen.

Umgebungslicht – Lichtquellen
Kerzenlicht 2000° Kelvin red.gif
Sonnenaufgang und Sonnenuntergang 2500 Kelvin Blasses Rot
Ganz normale Haushaltsglühbirne 3000 Kelvin Sehr blasses Rot
Tageslicht an einem sonnigen Tag 5500 Kelvin Weiß
Blitzlicht 6000 Kelvin Sehr blasses Blau
Bewölkter Himmel 7500 Kelvin bluer.gif
Blauer Himmel 12000 Kelvin blue.gif

Die Farben, die wir bei einer vorgegebenen Lichtquelle sehen, variieren mit der Intensität der Lichtquelle, da sowohl Zapfen als auch Stäbchen gleichzeitig aktiv sind und jeweils unterschiedliche Farbenkurven aufweisen. Wenn das Licht nachläßt, übernehmen die Stäbchen mehr vom Sehen, so dass die Farbwahrnehmung sich mit der Intensität des Lichts ändert. Diesen Effekt gibt die Kruithof-Kurve wieder, die nach A. A. Kruithof benannt ist.

Unser Auge – besser die Verarbeitung der Farbsignale hinter unserem Sehaparat – gleich bis zu einem gewissen Ausmaß den Einfluss verschiedenartiger Lichtquellen aus. Nur so sind wir in der Lage, ein Objekt unter verschiedenen Lichtbedingungen immer wieder zu identifizieren. Aber die Entwickler der ersten Farbfilme waren sicher überrascht, als sie entdeckten, dass ihre Bilder einen Farbstich aufwiesen, je nachdem, ob sie in einem Innenraum beim Licht von Glühbirnen oder im Tageslicht aufgenommen wurden.

Farbe ist keine inhärente Eigenschaft eines Objekts, sondern die Empfindung der Energie, die ein Objekt ausgestrahlt oder reflektiert. Erst das Auge und das Gehirn verarbeiten diese Informationen zu einer Farbempfindung. Lichtquelle und Umgebung müssen also standardisiert sein, um reproduzierbare Bedingungen für das Farbsehen zu schaffen.

Typische Standard-Farbtemperaturen
A
Wolframlampen oder Haushaltsglühbirnen (Incandescent) 2856 Kelvin
C
North Sky Daylight, 6774 Kelvin
D50
Tageslicht für die Farbdarstellung, 5000 Kelvin
D65
Neuere Version des North Sky Daylight, 6504 Kelvin
F2
Kühles weißes Fluorescent, 4200 Kelvin
F7
Breitbandiges Tageslicht Fluorescent, 6500 Kelvin

Die Lichtquelle oder Farbtemperatur ist von großer Bedeutung, so dass über die Jahre eine Vielzahl von Standard-Farbtemperaturen definiert wurde. Sie heißen kurz und knapp C (North Sky Daylight, 6774 Kelvin) oder D50 (Daylight 5000 Kelvin) oder so ähnlich. Eine Farbtemperatur mit der Bezeichnung D65 ist z.B. ein typisches Umgebungslicht für einen Computermonitor und entspricht einer Temperatur von 6500 Kelvin und ist deutlich blauer als D50.