Monitor und Gamma

Monitor-Gamma

Wirklich disziplinierte Mac-Nutzer dürfen ihr natives Monitor-Gamma von 1.8 behalten, wenn sie jedes Bild mit einem Profil versorgen. In der ICC-Welt sorgt das Profil dafür, dass Bilder auch an Monitoren mit Gamma 2.2 so dargestellt werden, wie sie auf dem Mac-Monitor aussehen.

Wenn das Kalibrier-Programm ein »Monitor-Gamma« oder »unkorrigiertes Gamma« anbietet, kann man das ebensogut ausprobieren, auch wenn man keinen Mac vor sich hat. Je geringer die Diskrepanz zwischen dem nativen und dem eingestellten Gamma, desto größer bleibt der Farbraum, der ansonsten durch jede Korrektur eingeschränkt wird.

Aber nur unter einer Bedingung: Nur ein Bild mit Profil ist ein gutes Bild!

Die Wiedergabe des Kontrasts in den unterschiedlichen Helligkeitsbereichen war immer schon der kritischste Punkt in der Farbwiedergabe des Monitors. Bislang galt ein Gamma von 2,2 als beste Gamma-Einstellung. Ein Gamma von 2.2 erzeugt weichere Verläufe und weniger Farbabrisse und sieht überhaupt besser aus als z.B. das Gamma von 1.8 für den Mac.

Bislang habe ich ja immer »Gamma 2.2 für Alle« propaiert. Uli Zappe hat mich korrigiert:

Gestatten Sie aber bitte, dass ich Sie auf einen leider häufig anzutreffenden Fehler aufmerksam mache. Auf http://farbe.wisotop.de/Monitor-kalibrieren.shtml schreiben Sie, dass es keinen Grund gäbe, einen Mac-Monitor heute noch auf Gamma 1,8 zu kalibrieren. Das ist leider falsch. Gamma 1,8 ist in Mac OS X nach wie vor der Defaultwert, das heißt, alle Teile des Betriebssystems ohne Farbmanagement setzen diesen Wert als gegeben voraus. Das gilt insbesondere für QuickTime, also jede Form der Video-Darstellung in Mac OS X. QuickTime setzt das Gamma der diversen Videonormen stets fest auf Gamma 1,8 um. Mit anderen Worten: Sobald Sie einen Mac-Monitor auf ein anderes Gamma als 1,8 kalibrieren, haben Sie keine korrekte Videowiedergabe in Mac OS X mehr, DVDs inklusive.

Die Mac-OS-X-GUI wird übrigens ebenfalls ohne Farbmanagement wiedergegeben und ist dann auch zu dunkel; das mag eine Kleinigkeit sein, aber wer den Mac wegen seiner ästhetisch ausgefeilten Ergonomie schätzt, den wird auch das stören.

Umgekehrt ist es gerade mit Farbmanagement ja kein Problem, Bilder in einem Gamma-2,2- oder L*-Farbraum zu bearbeiten, den Monitor aber dennoch auf 1,8 zu kalibrieren. Solange man einen Mac also nicht *ausschließlich* für Bildbearbeitung einsetzt (und wer tut das schon?) und sich um die GUI-Ästhetik nicht schert, ist ein Gamma von 1,8 auf dem Mac nach wie vor geboten.

Unprofiliert wirken Bilder mit einem Gamma von 1.8 heller und weniger kontrastreich, so dass Benutzer mit ungeübtem Auge die Bilder fast immer überkorrigieren. Dann wiederum wird das Bild auf einem Monitor mit Gamma 2.2 zu dunkel – dies ist die eigentliche Gefahr.


Monitor-Helligkeitsverteilung L*

Immer häufiger bieten Kalibrierprogramme auch eine L*-Helligkeitsverteilung anstelle eines Gammas an, weil es eine bessere Darstellung der Graustufen bringt. Sollte man benutzen, wenn die Software die Option bietet.

Die L*-Kurve ist dem menschlichen Helligkeitssehen (von Helligkeitsabständen) angenähert. Macht nur Sinn bei Monitoren mit einer internen LUT (Look-up-Table) und dürfte ansonsten vom Kalibrierprogramm gar nicht angeboten werden.

Die L*-Methode kalibriert den Monitor so, dass die Graustufen gleichabständig erscheinen. Wenn R, G und B um den Faktor 2 erhöht werden, wird die Farbe doppelt so hell erscheinen.

Dabei liegen die Helligkeitswerte des L*-Gamma – außer in den Tiefen – immer ganz nah beim Gamma von 2.2.