Vom Monitor auf den Drucker
Der Monitor ist die zentrale Vermittlungsstelle für Bilder: Hier werden Bilder beurteilt, bearbeitet und für die Ausgabe auf unterschiedlichen Geräten vorbereitet. Aber wie weit ist Verlass auf die Wiedergabe auf dem Monitor?
Für den Druck auf dem eigenen Desktop-Drucker will der Drucker ein RGB-Bild und führt die Separation von RGB in sein eigenes CMYK selber durch. Unsere Drucker sind also RGB-Drucker, die mit CMYK drucken.
Aber auch für den Druck in Offset- oder Tiefdruckverfahren wird heute nur noch selten ein CMYK-Bild verlangt. Inzwischen setzt sich der geräteunabhängige Arbeitsfarbraum eciRGB_v2 immer stärker durch. Im Workflow des Fotografen werden die Bilder im RAW-Format aufgenommen und vom RAW-Format in den eciRGB_v2-Farbraum überführt.
Früher musste der Fotograf das Bild in den CMYK-Modus überführen, bevor es es an den Setzer oder die Druckerei auslieferte. Erst im CMYK-Modus sah der Fotograf (andeutungsweise), wie gut die Helligkeiten und Farben des Bildes den Druck überleben würden. Der CMYK-Modus diente dem Fotografen in erster Linie als simulierte Druckvorschau – also als Softproof.
Damals musste der Fotograf oder Grafiker genau wissen, für welchen Druckprozess sein Bild benutzt wurde. Heute kann der Fotograf als RGB-Bild im eciRGB_v2-Arbeitsfarbraum bearbeiten und zumeist auch abliefern. Wenn ein doch ein CMYK-Bild gefordert ist, empfiehlt die ECI ISO Coated V2, wenn keine Einzelheiten für den Druck im Voraus bekannt sind.
Mit einem kalibrierten Monitor und dem Profil des Drucks braucht das Bild nicht mehr in ein CMYK-Bild umgewandelt werden – ein Prozess, der immer mit einem Verlust an Bildinformationen verbunden ist. Anstelle dessen wird der Softproof auf dem Monitor in Photoshop am RGB-Bild durchgeführt.
Das Spagat zwischen den Farbräumen
Das Bild aus der Digitalkamera wird vom CMM anhand des Kameraprofils an den Farbraum des Monitors angepasst.
Wird das Bild in ein CMYK-Bild umgewandelt, kann der Monitor natürlich das Bild nicht in CMYK darstellen. Statt dessen berechnet das CMM – der Farbrechner –, welchen Farbumfang der Drucker in diesem Bild wieder geben kann und aus diesen Farbumfang wiederum wird eine Monitordarstellung in RGB berechnet.
Seit dem Einzug des ICC-Farbmanagements funktioniert die Vorschau auch ohne die Umwandlung des Bildes in ein CMYK-Bild. Zusätzlich ermöglicht das Farbmanagement auch, Bilder, die auf dem Desktop-Drucker ausgegeben werden, in gleicher Weise auf dem Monitor zu "proofen" wie Bilder, die als CMYK für die Druckerei bestimmt sind.
Doch zunächst wollen wir erst mal sehen, was wir nicht sehen: Der Monitor muss nicht unbedingt in der Lage sein, den gesamten Farbumfang des Bildes anzuzeigen. Eine Digitalkamera kann Farben erfassen, die der Monitor gar nicht darstellen kann.
Unter dem Menüpunkt "Ansicht" in Photoshop zeigt die Farbumfang-Warnung, welche Farben vom Monitor nicht dargestellt werden. Der nicht-darstellbare Bereich wird ausgegraut.
Statt ein Bild in ein CMYK umzuwandlen, um die Farbdarstellung der Druckfarben auf dem Monitor zu begutachten, kann das Bild mit dem Profil des Druckers dargestellt werden. Wenn das Bild auf dem eigenen Drucker ausgegeben werden soll, wird das Profil für die Drucker-/Tinten-/Papierkombination gewählt.
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Wie bei der Darstellung eines CMYK-Bildes berechnet das CMM die Darstellung des Bildes auf dem Monitor. Obwohl Farben nicht darstellbar sind, wird der gesamte Farbumfang des Bildes für die Berechnung des Druck-Farbumfangs benutzt.
Bei vielen Produktionen stehen weniger die exakten Farben im Vordergrund, sondern die Frage, ob der Kontrastumfang des Papiers ausreicht, um die Tiefen ausreichend auszubauen – sprich: Kommt die Zeichnung in den Tiefen im Druck noch heraus oder verschwinden dunkle Bildbereiche im schwarzen Farbauftrag?
Weitere Spagate
Natürlich können wir nicht nur die Druckausgabe simulieren ...
Wir könnten das Profil für einen anderen Monitor benutzen, um uns anzusehen, wie die Ausgabe eines Bildes auf anderen Monitoren wirkt. Mit einem Beamer-Profil lässt sich die Ausgabe auf dem Beamer einschätzen. Ein sinnvoller Einsatz wäre die Simulation des TV-Monitors, wenn Filme auf dem PC geschnitten und gerendert werden.
Sinnvoll sind alle diese Softproofs natürlich nur dann, wenn der Monitor, auf dem der Softproof durchgeführt wird, über einen größeren Farbraum als das simulierte Gerät verfügt.
Offene Fragen
Das wirft natürlich jede Menge Fragen auf: Gilt die Farbumfangswarung in Photoshop jetzt weiterhin für die Montordarstellung oder für die Druckvorschau? Warum kann der Monitor auf einmal die Farben zeigen, die der Monitor beim RGB-Bild nicht darstellen kann, die aber auf dem Drucker zutage kommen?
Ein Teil der Fragen läßt sich durch die verwendeten Rendering Intents beantworten.

