Farbmanagement Workflow
Bilderfassung / Arbeitsfarbraum
Nahezu alle modernen Geräte zur Bilderfassung (Kameras, Scanner, Illustrationsprogramme) speichern Bilder direkt mit einem Profil. Allerdings werten nur wenige Anwendungen das Profil des Bildes aus. Eine generelle Unterstützung des Farbmanagements bietet zurzeit kein Betriebssystem, so dass sich Arbeiten unter dem Farbmanagement des ICC als Stückwerk darstellt.
Wer auf die konsistente Farbwiedergabe von Fotos, Grafiken, Präsentationen und Publikationen jeglicher Art angewiesen ist, muss sich die Bruchstücke herauspicken und zu einem Workflow – einem Arbeitsablauf – zusammen setzen. Wer sich mit dem Farbmanagement nicht auseinander setzen will, arbeitet darfür in einer relativ sicheren Umgebung im sRGB-Farbraum.
- Hobbyfotografen | Digitale Kameras transformieren das Bild i.d.R. direkt in den sRGB- oder AdobeRGB-Farbraum.
- Studiofotografen | High End-Kameras können profiliert werden und individuelle Profile nutzen (insbesondere Studiokameras).
- Drucken auf dem Desktopdrucker | Druckerhersteller liefern Profile für die von ihnen angebotenen Papiere schon bei der Installation des Druckers aus.
- Darstellung auf dem Computermonitor | Das Monitorprofil ist fast immer auf der beiliegenden CD zu finden.
- Wiedergabe von Bildern mit dem Beamer | Für die Wiedergabe von Bildern in Präsentationen mit dem Beamer muss ein Profil für den Beamer erzeugt werden.
- Anwendungen mit Profil-Unterstützung | Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop, Lightroom, Aperture werten das Profil des Bildes für die Darstellung aus.
- Layout- und Satzprogramme | Quark XPress und InDesign werten Profile in Bildern und Grafiken aus.
- Kommerzielle Anwendugnen | Office-Programme wie Word oder Powerpoint ignorieren das Profil.
- Browser für das Internet | Safari von Apple und Firefox ab Version 3 (in Firefox muss das Farbmanagement dazu allerdings explizit aktiviert werden) werten das Profil des Bildes aus. Adobe Flash und die Windows Media-Player ignorieren das Profil, Quicktime von Apple wertet das Profil aus.
Digital fotografieren, bearbeiten und drucken
Bei nahezu allen professionellen und semiprofessionellen Digitalkameras kann der Fotograf den Farbraum festlegen: sRGB oder AdobeRGB sind die beiden Farbräume, in denen das Bild gespeichert werden kann. Einige Konsumerkameras geben den Farbräumen andere Namen: Vivid, Standard, Natur, NikonRGB, aRGB …
RAW-Bilder | Wenn Bilder im RAW-Format der Kamera gespeichert werden, stellt sich die Frage nach dem Farbraum erst bei der Transformation des RAW-Bildes in ein RGB-Bild für die weitere Bearbeitung oder den Druck.
Wenn die Bilder noch mit 16 Bit Farbtiefe im Bildbearbeitungsprogramm bearbeitet werden, können sie mit dem größeren AdobeRGB-Gamut übernommen werden. Sinn macht dieser Arbeitsablauf aber erst mit Monitoren, die wenigstens einen großen Teil des AdobeRGB-Farbraums darstellen können. Dann sollte in den Farbmanagement-Vorgaben des Bildbearbeitungsprogramms AdobeRGB als Arbeitsfarbraum eingestellt sein.
Wer AdobeRGB als Quellfarbraum an seiner Digitalkameras wählt, muss sich auf einen disziplinierten Arbeitsablauf einstellen. Nur sehr wenige Monitore der Spitzenklasse können einen großen Teil des AdobeRGB oder gar den ganzen AdobeRGB-Farbraum darstellen – zu den preiswerten Monitoren mit einem »Wide Gamut« gehören der EIZO 222 und der LaCie.
JPEG-Bilder | Wer seine Bilder als JPEG in der Digitalkamera speichert, wählt besser sRGB als Farbraum in der Kamera. Bilder mit 8 Bit Farbtiefe haben 16,8 Mio Farben zur Verfügung – egal, ob das Bild im AdobeRGB oder im sRGB vorliegt. Bei 8 Bit Farbtiefe führt ein großer Farbraum mit hoch gesättigten Farben schnell zu Farbabrissen – und das auch in den Pastelltönen. Hauttöne sind nur schwer zu korrigieren. Darüber hinaus kommen in der Natur nur selten Farbtöne vor, die in sRGB nicht wiedergegeben werden können.
Studiofotografen
High End-Kameras für die Studiofotografie können profiliert werden – so nutzt die Kamera ihren vollständigen Farbraum für die Bilderfassung. Die Aufnahmen werden im RAW-Format der Kamera gespeichert und für die Weiterverarbeitung für den Druck i.d.R. in eciRGB transformiert.
Drucken auf dem Desktop-Drucker
Für die Ausgabe digitaler Fotografien auf hochwertigen Fotodruckern empfiehlt das ICC seinen sRGB-v4-Farbraum. Der Farbraum weist im Blau-Cyan ein etwas größeres Gamut auf als sRGB und bei der Transformation in den LAB-Farbraum und von dort aus in den Druckerfarbraum werden die Farben neu berechnet (re-render), um den Druckerfarbraum besser zu nutzen.
In diesem Workflow sollte das Bild in sRGB aufgenommen / gescannt werden oder als RAW-Bild in der Kamera gespeichert und anschließend in den sRGB-Farbraum oder sRGB_v4-Farbraum umgewandelt werden.
Darstellung auf einem Computer-Monitor
Bilder für Präsentationen oder das Internet werden als sRGB-Bilder aufgenommen oder als RAW-Bild in der Kamera gespeichert und anschließend in den sRGB-Farbraum umgewandelt.
Wiedergabe mit dem Beamer
Bilder für Präsentation mit dem Beamer werden als sRGB-Bilder aufgenommen oder als RAW-Bild in der Kamera gespeichert und achließend in den sRGB-Farbraum umgewandelt. Wenn das Profil des Beamers verfügbar ist, lohnt sich ein Softproof auf dem Monitor, um die Farbwiedergabe bereits bei der Bearbeitung der Bilder besser beurteilen zu können.
Weiterverarbeitung in Programmen, die das Profil des Bildes interpretierten
Illustrationsprogramme wie Adobe Illustrator und Layoutprogramme wie Quark XPress oder Adobe InDesign interpretieren das Profil des Bildes. Dabei dürfen Bilder ein beliebiges Profil mitbringen. Das Dokument – z.B. das InDesign-Dokument – bestimmt das generelle Farbmanagement. So kann das Layout-Dokument den eciRGB-Farbraum einstellen. Bilder aus beliebigen anderen Farbräumen werden in den Farbraum des Dokuments transformiert.
Moderne Bildarchive, Bilddatenbanken und Bildbearbeitungsprogramme unterstützen das Farbmanagement des ICC und können Bilder korrekt entsprechend ihres Profils anzeigen.
Weiterverarbeitung in Programmen, die das Profil des Bildes nicht auswerten
Office-Programm wie Microsoft Word, Powerpoint, Open Office, Internet Explorer interpretieren das Profil des Bildes nicht. Bilder werden in sRGB gescannt oder fotografiert oder im RAW-Format der Kamera gespeichert und in ein sRGB-Bild umgewandelt. Das verspricht die größte Konsistenz bei der Farbwiedergabe.
Bilder im Internet
Nur wenige Browser interpretieren das Profil des Bildes. Internet Explorer als meist genutzter Browser ignoriert das Profil. Bilder werden in sRGB gescannt oder fotografiert oder im RAW-Format der Kamera gespeichert und in ein sRGB-Bild umgewandelt. Das verspricht die größte Konsistenz bei der Farbwiedergabe.

